Malerische Oberfläche entsteht durch die Spuren der Werkzeuge und Materialien, gesetzt durch Einsatz von Energie und Kraft, gerichtet in Bewegung. Choreografiert sind die einzelnen Elemente im Zusammen-spiel der Kräfte. Was wäre, wenn die Oberfläche durchlässig wäre, die Pinselspuren die Fläche durchdrängen, verschwänden, an anderer Stelle wieder auftauchten, hinter der Leinwand ein geheimnisvolles Leben führten, den Augen des Betrachters entzogen? Kann die Idee, die Ahnung von dem Raum und der Existenz hinter dem Sichtbaren, der sichtbaren Oberfläche vermittelt werden?

Und was wäre, wenn sich die malerische Oberfläche auftäte, aufrisse, sich als obere Schicht verständlich machte und das Dahinter und Darunter eine nächste Schicht, eine verdeckte Lage, eine neue Haut offenbarte?

Wird durch die Tiefenwirkung transparenter Lagen das Gefühl für Zeit vermittelt? Werden versunkene und fast verschwundene, palimpsesthafte Schichten als Spuren vergangener Zeiten verstanden, auf die alle folgenden Schichten wie nachfolgende Generationen die Gegenwart darstellen?

Ist Tiefe Geschichte und Oberfläche Gegenwart?

Sabine Schneider, 2012